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KI oder feste Regel? Was ein Testtag gezeigt hat

27. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit · Stefan Hartmann

Das Wichtigste in Kürze

  • KI ist stark darin, Unordentliches zu verstehen: einen Text, ein PDF, eine Skizze. Das Bild selbst setzt ListingShot nach festen Regeln zusammen, damit der Preis immer der aus dem Datensatz ist.
  • Ob ein Bildmodell den Preis richtig schreibt, hängt am Auftrag. Steht er wörtlich darin, stimmte er in unserem Test vom 16.10.2026 in 30 von 30 Anzeigen; bei locker formulierten Aufträgen fehlte er oder war falsch.
  • Beim Story-Video war das größte Problem keines für die KI: Ein quadratisches Foto auf Hochkant zu beschneiden kostet das halbe Produkt. Eine feste Regel löst das genauso gut wie eine KI, die Regie führt.
  • Wo KI klar hilft: viele Fotos eines Hauses zu einem Rundgang ordnen und jedes Bild passend betiteln. Ein Foto, das ein anderes Haus zeigte, hat sie von selbst weggelassen.
  • Bei KI-Modellen lässt sich einstellen, wie gründlich sie nachdenken. Die gründlichste Stufe war kaum genauer, brauchte aber ein Vielfaches an Zeit.

ListingShot macht aus einer Zeile Produkt- oder Immobiliendaten fertige Werbegrafiken: Post, Story, Banner, Newsletter, Aushang, seit Kurzem auch ein kurzes Video. Dabei stellt sich bei jedem Schritt dieselbe Frage: Soll hier eine KI entscheiden, oder reicht eine einfache, feste Regel?

Wir haben uns am 19.10.2026 einen Tag genommen und beides nebeneinander ausprobiert. Nicht im Labor, sondern an den Aufgaben, die ListingShot jeden Tag erledigt. Hier ist, was wir gelernt haben, und eine Klarstellung zu einem Text, den wir vor ein paar Tagen veröffentlicht haben.

KI versteht, eine Regel setzt

KI ist stark darin, Unordentliches zu verstehen. Aus einer Objektbeschreibung, einem Exposé als PDF oder der Produktseite eines Shops liest sie heraus, was Titel, Preis und Eckdaten sind. Aus einer Skizze auf Papier liest sie ab, wo das Foto sitzen soll und wo der Text. Und auf Wunsch entfernt sie den Hintergrund eines Produktfotos, damit das Produkt frei auf Ihrer Markenfarbe steht. Dafür setzen wir sie ein.

Das Bild selbst lassen wir nicht von einer KI malen. ListingShot setzt es nach festen Regeln zusammen: Ihr Foto, der Text aus Ihrem Datensatz, die Anordnung, die Sie gewählt haben. Dieselbe Zeile ergibt jedes Mal dieselbe Grafik, und der Preis ist immer der Preis aus Ihren Daten.

Eine Klarstellung zum Preistest

Am 16.10.2026 haben wir in „Schreibt ein Bildmodell den Preis richtig?“ gezählt: 30 Anzeigen, jeder Preis richtig. Dabei bleiben wir. Nur stand dort jeder Text wörtlich und mit genauen Vorgaben im Auftrag.

Für den Testtag haben wir Flyer so in Auftrag gegeben, wie Kunden das im Alltag schreiben, an eines der drei Modelle aus dem Preistest. Drei Beispiele:

Drei Bilder eines Bildmodells nebeneinander: ein Rasenmäher auf einer Wiese ganz ohne Text; eine Finca mit Pool und der Überschrift FINCA SANTA MARIA, unten rechts steht 1.850,000 6; ein Wohnzimmer mit Fischgrätparkett und einer verstümmelten Überschrift, in der Zeile darunter fehlt der Preis.
Links: „mach was schönes für unseren rasenmäher GM 46 von grünwerk 449€ …“ – kein Text im Bild. Mitte: „… kleiner preis 1.850.000 €“ – im Bild steht „1.850,000 6“. Rechts: Titel verstümmelt, der Preis fehlt.

Ob ein Bildmodell den Preis richtig schreibt, hängt also weniger an seinen Ziffern als am Auftrag. Wer genau formuliert, bekommt den richtigen Preis. Wer schreibt, wie man eben schreibt, sollte jedes Bild prüfen. ListingShot nimmt den Preis nicht aus einem Auftrag, sondern aus dem Datensatz, deshalb stellt sich die Frage dort nicht.

Das größte Problem beim Video war keines für die KI

Für das neue Story-Video haben wir zuerst eine KI Regie führen lassen: welches Bild, welcher Ausschnitt, welcher Text wann. Das größte Problem lag aber ganz woanders.

Produktfotos sind meist quadratisch oder quer, eine Story ist hochkant. Wer das Foto einfach auf Hochkant beschneidet, schneidet die Schuhspitze ab, das Hinterrad, den Griff des Rasenmähers. Bei fünf von sechs Testprodukten fehlte ein Teil des Produkts, und der Preis lag mitten darauf.

Die Lösung ist eine Regel: das ganze Foto in voller Breite zeigen, dahinter eine abgedunkelte, unscharfe Kopie, den Titel darüber, Preis und Eckdaten darunter. Die KI kam von selbst auf dieselbe Lösung, und war damit nicht besser als die Regel. Das Story-Video folgt deshalb der Regel; eine KI braucht es dafür nicht.

Wo KI wirklich hilft: aus vielen Fotos eine Geschichte

Anders war es bei einer Aufgabe, für die es keine einfache Regel gibt. Wir haben einer KI 13 Fotos eines Hauses gegeben, ungeordnet, und sie gebeten, daraus einen Rundgang zu machen: Fotos auswählen, wie bei einer Besichtigung ordnen, jedes Bild betiteln, ohne etwas zu behaupten, das weder auf dem Foto noch in den Daten steht.

Acht Szenen eines Rundgangs durch ein Holzhaus, in zwei Reihen: Carport mit Solardach, Diele mit Holztreppe, Kaminzimmer mit Gartenblick, Küche mit Kochinsel, Essplatz mit Waldblick, Schlafzimmer unterm Dach, Terrasse mit Holzdeck, Garten mit Rasenfläche und dem Preis 749.000 €.
Vom Carport über Diele, Wohnräume und Schlafzimmer bis in den Garten, der Preis am Schluss. Testfotos, KI-erzeugt.

Die Reihenfolge stimmt, die Bildtitel beschreiben, was zu sehen ist, und erfunden hat die KI nichts. Das Bemerkenswerteste: Eines der 13 Fotos zeigte ein ganz anderes Haus. Die KI hat es von selbst weggelassen. In der Reihenfolge der Dateien hätte es am Anfang gestanden, gefolgt von der Aussicht und dem Bad.

Diesen Rundgang gibt es noch nicht als Funktion. Er zeigt aber, wo eine KI einen Unterschied macht, den keine feste Regel schafft.

Gründlicher ist nicht automatisch besser

Bei aktuellen KI-Modellen lässt sich einstellen, wie gründlich sie nachdenken, bevor sie antworten. Wir haben das an einer Aufgabe gemessen, die ListingShot täglich erledigt: aus einer fertigen Grafik ablesen, wie sie angeordnet ist. Die gründlichste Stufe war kaum genauer als die normale, brauchte aber ein Vielfaches an Zeit. Wir bleiben bei der normalen Stufe; Sie warten auf eine Antwort, nicht auf einen Aufsatz.

Was wir daraus mitnehmen

  • Eine KI gegen eine einfache Regel antreten lassen, nicht gegen gar nichts. Beim Video war die Regel genauso gut, und sie kostet nichts.
  • Selbst hinschauen. Eine KI, die andere KI bewertet, ist ein Hinweis, kein Urteil. Beim Rundgang hat unser automatischer Prüfer die ungeordnete Reihenfolge einmal besser bewertet als die geordnete.
  • Verstehen und Setzen trennen. KI dort, wo Unordentliches verstanden werden muss; feste Regeln dort, wo jedes Mal dasselbe herauskommen muss.

Häufige Fragen

Schreibt ein Bildmodell Preise inzwischen richtig?

Wenn der Preis wörtlich und eindeutig im Auftrag steht, ja: In unserem Test vom 16.10.2026 stimmte er in 30 von 30 Anzeigen. Bei Aufträgen, wie sie im Alltag geschrieben werden, etwa „mach was Schönes für unseren Rasenmäher, 449 €“, fehlte der Preis in einem Bild ganz, in einem anderen stand „1.850,000 6“ statt „1.850.000 €“.

Wofür setzt ListingShot KI ein?

Zum Verstehen: Felder aus einem Text, einem PDF oder einer Seite lesen, eine Anordnung aus einer Vorlage oder Skizze ablesen, eine Anordnung aus einem Satz beschreiben. Und auf Wunsch zum Freistellen: den Hintergrund eines Produktfotos entfernen. Gezeichnet wird nach festen Regeln, mit Ihrem Foto und dem Text aus Ihrem Datensatz.

Braucht das Story-Video eine KI?

Nein. Das Story-Video folgt einer festen Regel: das ganze Foto in voller Breite, Titel darüber, Preis und Eckdaten darunter, am Ende eine Kontaktkarte. Eine KI als Regisseur kam im Test auf dieselbe Lösung und war nicht besser.

Gibt es den Rundgang aus mehreren Fotos schon?

Noch nicht. Er war Teil des Tests und zeigt, wo KI einen echten Unterschied macht. Als Funktion gibt es ihn noch nicht.

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